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Barrierefreiheit in Online-Shops: Studie zeigt große Defizite

Ab Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) viele Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit. Eine aktuelle Untersuchung von Aktion Mensch, Google, der Stiftung Pfennigparade und BITV-Consult zeigt jedoch: Die Mehrheit der großen deutschen Online-Shops ist bislang nicht barrierefrei.

Untersuchung der Barrierefreiheit

Die Studie untersuchte 78 der meistbesuchten deutschen Online-Shops anhand ausgewählter Kriterien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1. Diese Richtlinien sind international als Standard für digitale Barrierefreiheit anerkannt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich ein Viertel der getesteten Shops erfüllt grundlegende Anforderungen an Barrierefreiheit. Die häufigsten Mängel betreffen:

  • Tastaturbedienbarkeit: 61 von 78 Shops konnten nicht vollständig ohne Maus genutzt werden.
  • Unzureichende Kontraste: Texte waren oft schwer lesbar, insbesondere für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.
  • Fehlende Alternativtexte: Viele Bilder und Formulare hatten keine beschreibenden Texte, was die Nutzung mit Screenreadern erschwert.

Bekannte Marken betroffen

Untersucht wurden große Anbieter wie Amazon, Otto, MediaMarkt, Saturn, IKEA und Zalando. Die Ergebnisse werfen die Frage auf, warum gerade die führenden Unternehmen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Denn Barrierefreiheit ist nicht nur eine gesetzliche Anforderung, sondern auch ein gesellschaftlicher Auftrag.

Veröffentlichung der Studienergebnisse

Die detaillierte Untersuchung umfasst 34 Seiten und beschreibt sowohl die Methodik als auch konkrete Barrieren. Neben automatisierten Tests mit Tools wie Google Lighthouse und WAVE wurden qualitative Nutzertests mit Menschen mit Behinderungen durchgeführt.

Die Studie verdeutlicht, dass viele Unternehmen erheblichen Nachholbedarf haben. Ein weiteres Problem: Der Untersuchungsbericht selbst weist an einigen Stellen Kontrastprobleme auf, was zeigt, dass auch Sensibilisierung und Sorgfalt notwendig sind.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die Studie bietet praxisnahe Empfehlungen zur Verbesserung der Barrierefreiheit in Online-Shops, darunter:

  • Optimierung der Tastaturbedienbarkeit
  • Verbesserung der Farbkontraste
  • Korrekte Nutzung von Alternativtexten
  • Schulungen für Redaktionen und Entwickler

Fazit: es besteht Handlungsbedarf

Mit der gesetzlichen Frist bis Juni 2025 sollten Unternehmen nicht länger zögern, Barrierefreiheit in ihren Online-Shops umzusetzen. Die Einhaltung der WCAG 2.1-Standards (bzw. WCAG 2.2) sowie die zusätzlichen Anforderungen, die sich aus der EN 301549 ergeben, ist dabei ein wichtiger Schritt hin zu einer inklusiven digitalen Gesellschaft. Barrierefreiheit ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit – nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern für alle Nutzerinnen und Nutzer.


Zentrale Fragen und Antworten zum Thema

Wer hat die Untersuchung zur Barrierefreiheit durchgeführt?

Die Untersuchung wurde von Aktion Mensch, Google, der Stiftung Pfennigparade und BITV-Consult gemeinsam durchgeführt.

Welche Online-Shops wurden in der Studie betrachtet?

Untersucht wurden 78 der meistbesuchten deutschen Online-Shops, darunter große und bekannte Anbieter aus dem E-Commerce.

Welche Standards lagen der Bewertung der Barrierefreiheit zugrunde?

Grundlage der Bewertung waren ausgewählte Erfolgskriterien der WCAG 2.1, die international als maßgeblicher Standard für digitale Barrierefreiheit anerkannt sind.

Wie viele der untersuchten Online-Shops erfüllen grundlegende Anforderungen an Barrierefreiheit?

Nur etwa ein Viertel der getesteten Online-Shops erfüllt grundlegende Anforderungen an digitale Barrierefreiheit.

Welche Barrieren traten in den Online-Shops am häufigsten auf?

Die häufigsten Barrieren waren mangelnde Tastaturbedienbarkeit, unzureichende Farbkontraste sowie fehlende oder unzureichende Alternativtexte für Bilder und Formulare.

Warum ist fehlende Tastaturbedienbarkeit ein zentrales Problem?

Wenn Online-Shops nicht vollständig per Tastatur bedienbar sind, können sie von Menschen mit motorischen Einschränkungen oder von Screenreader-Nutzenden nicht gleichberechtigt verwendet werden.

Welche Maßnahmen empfiehlt die Studie zur Verbesserung der Barrierefreiheit?

Empfohlen werden unter anderem die Verbesserung der Tastaturbedienbarkeit, die Optimierung von Farbkontrasten, die korrekte Nutzung von Alternativtexten sowie Schulungen für Entwicklerinnen, Entwickler und Redaktionen.

Warum besteht für Unternehmen akuter Handlungsbedarf?

Ab Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz viele Anbieter zur Barrierefreiheit. Die Studienergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Online-Shops bislang nicht ausreichend vorbereitet ist.

Warum ist digitale Barrierefreiheit über gesetzliche Vorgaben hinaus relevant?

Digitale Barrierefreiheit ermöglicht gleichberechtigte Teilhabe und verbessert die Nutzbarkeit digitaler Angebote für alle Menschen, unabhängig von individuellen Einschränkungen oder Nutzungskontexten.

Schlagworte:
Digitale Barrierefreiheit
EN 301549